Südwestdeutscher Stenografenverband e. V.

 

         

Seit mehr als hundert Jahren ist das Schreiben auf Tastaturen ein wichtiges Thema in unseren Stenografenvereinen. Dort konnten und können Interessenten aller Altersgruppen die professionelle Tastaturbeherrschung (= 10-Finger-Tastschreiben) sowie die Text- und Informationsverarbeitung erlernen und ihre Fertigkeiten anschließend ausbauen und trainineren.

Viele Jahrzehnte lang geschah dies auf Schreibmaschinen, die eine imposante technische Entwicklung durchlebten: von den ersten mechanischen Schreibmaschinen (seit 1864) mit unterschiedlichsten Typenanschlagstechniken über elektrische bis hin zu elektronischen Schreibmaschinen. Seit den 1990er Jahren arbeiten wir selbstverständlich mit Computern.

Parallel zur Entwicklung der Schreibgeräte und der Datenerfassungsmedien wurden die Didaktik und die Methodik zur Tastaturschulung weiterentwickelt, modernisiert und erweitert. Die meisten Vereine bieten heute nicht Tastschreibkurse an, sondern auch Kurse zur professionellen Anwendung der gängigen Standardsoftware.

Die gemeinsame Pflege der beiden Texterfassungstechniken Tastschreiben und Stenografie in unseren Vereinen verdanken wir dem Wirken des Kurzschrift-Systemerfinders Ferdinand Schrey (1850 – 1938), der schon früh die herausragende praktische Bedeutung dieser beiden Fertigkeiten für Alltag und Beruf erkannte.

In der deutschen Kurzschriftgeschichte spielt Baden-Württemberg eine herausragende Rolle:

In Württemberg wurde der erste staatliche Stenografieunterricht im deutschen Sprachraum erteilt: ab 1787 an der Hohen Karlsschule, einer herzoglichen Eliteuniversität in Stuttgart.

Im Stuttgarter Landtag wirkte ab 1820 der erste deutsche Parlamentsstenograf. August Winters Kurzschrift basierte auf dem neugeometrischen Stenografiesystem Horstig/Heym. Winter war der fähigste geometrische Praktiker in Deutschland.

In unserem Verbandsgebiet wurden bis 1924 vor allem die Kurzschriftsysteme Gabelsberger und Stolze bzw. (seit 1897) Stolze-Schrey gepflegt. Seit 1924 wird die Deutsche Einheitskurzschrift (DEK) angewandt, die seither zweimal reformiert wurde. Diese Kurzschrift hat bis heute nichts an Leistungsfähigkeit eingebüßt und erzielt unschlagbare Datenerfassungsraten, die bei einer Informationseingabe am PC nicht erreicht werden können.

Der Südwestdeutsche Stenografenverband ist ein Zusammenschluss des Badischen Stenografenverbands (gegründet 1874) und des Württembergischen Stenografenverbands (gegründet 1888), die beide als Dachverbände für viele Dutzend regionale Vereine wirkten.

Zu historischen Ereignissen und Persönlichkeiten aus unserem Verband erscheinen in loser Folge kurze "Schlaglichter":

Teil 1:  Die ersten Deutschen Meisterschaften fanden 1906 in Mannheim statt
Teil 2:  Elleonore Wallot (1822 – 1903), Stenografielehrerin und Methodikerin
Teil 3:  (in Kürze abrufbar): Geschwindschreiber August Winter (1804 – 1870)

Die im Bildhintergrund dieser Homepage erkennbaren stenografischen Schriftzüge stammen übrigens von dem Kurzschriftwissenschaftler, Parlamentsstenografen, Systemtheoretiker und Lehrbuchautor Eduard Schaible (1868 – 1937), der lange Zeit in Stuttgart wirkte.

Allgemeine Informationen zur Geschichte der Kurzschrift und des Tastschreibens finden Sie übrigens auch im Internetangebot der Forschungsstätte.

 
Literatur:
Wirkner, Uwe/Scherer, Kurt (1999): 125 Jahre Südwestdeutscher Stenografenverband
Dammer, Volker (2004): Geschwindschreiber August Winter. In: Archiv für Stenografie, Forschungsstätte Bayreuth, S. 80 – 83
Kreßmann, Reiner (2004): Zum 200. Geburtstag von August Winter. In: Neue Stenografische Praxis; Berlin, S. 97 – 104
Disser, Monika (2005): Das altgeometrische Kurzschriftsystem Ramsay an der Hohen Karlsschule. In: Archiv f. St. (s. o.), S. 67 – 74
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